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Mathematik war in der Schule immer mein absolutes Hassfach. Ich konnte mich nie für Zahlen und alles was man mit ihnen so anstellt begeistern. Umso merkwürdiger ist es für mich jetzt, dass mein Leben so sehr von Zahlen bestimmt wird...
Heute morgen hat die Waage 45,2 kg angezeigt. Das sind nochmal 400g weniger als die Tage davor. Dabei habe ich mich so angestrengt nicht weiter abzunehmen! Gestern habe ich mich sogar überwunden eine Kugel Eis zu essen. Aber das ist wohl alles sinnlos wenn man trotzdem nicht über 700 Kalorien am Tag isst. Womit wir wieder eine Zahl hätten...Die Ernährungsberaterin hat mir ausgerechnet, dass ich zum Zunehmen über 2300 Kalorien essen müsste. Das ist sooo eine große Zahl Manchmal überlege ich mir was ich alles essen dürfte wenn ich mich an diese Zahl halten würde: Nudeln, Schokolade, Pizza, ein belegtes Brötchen....Aber allein bei dem Gedanken an diese Gerichte schimpft die kranke Stimme und sagt dafür sei ich noch viel zu fett. Die blöde Stimme freut sich sogar darüber, dass die Waage heute morgen weniger angezeigt hat. Da frag ich mich ab wann ich wohl nicht mehr zu fett bin, um auf dieses leckere Essen zu verzichten. Stattdessen gab es heute wieder Fresubin für mich. Am liebsten würde ich alles von dem Zeug wegschütten, aber ich möchte meinen Freund nicht enttäuschen. Für ihn möchte ich kämpfen, denn er bedeutet mir die Welt <3 Jetzt wo wir zusammen wohnen, weit weg von unseren Familien hat er die alleinige Verantwortung für mich und es tut mir weh, dass er durch meine Krankheit so belastet wird Ich habe meinen Eltern noch nichts von dem Fresubin erzählt. Auch nicht davon, dass ich weiter abgenommen habe. Ich habe so Angst davor, dass sie mich dann dazu drängen in eine Klinik zu gehen ( In einer Klinik soll es sehr streng vorgehen und so blöd es auch ist, ich kann meine Welt aus Zahlen nicht einfach so aufgeben. Dazu brauche ich Zeit und vor allem brauche ich meinen Freund und mein normales Leben Ich hoffe, dass das Studium es schafft Kalorien und Gewicht aus meinen Gedanken zu verdrängen.
1.10.16 16:58


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Hallo (:

 Ich habe so etwas noch nie gemacht und deshalb weiß ich leider gar nicht genau wie ich beginnen soll..aber eigentlich passt das ganz gut, denn ich weiß auch nicht wirklich wie ich in das Problem geraten bin, das mich nun dazu bewogen hat diesen Blog ins Leben zu rufen. Seit ungefähr einem halben Jahr kämpfe ich nun schon mit einer Essstörung und irgendwie ist einfach kein Ende in Sicht Ich dachte mir, es könnte vielleicht helfen aufzuschreiben wie es mir dabei geht und vielleicht liest das ja sogar jemand der mir helfen kann  

Ich bin jetzt 20 Jahre alt und gerade mit meinem Freund zum Studieren zusammen in eine andere Stadt gezogen. Es ist alles wunderschön hier und ich bin eigentlich echt glücklich. Das einzige Problem ist, dass diese Essstörung mittlerweile so viel von diesem Glück in den Schatten stellt. Jeder Tag hat für mich neue Herausforderungen: Was muss ich essen? Wann muss ich essen? Wie schaff ich es möglichst wenig zu essen ohne meinen Freund unglücklich zu machen? ... Lauter solche Fragen halten mich nachts wach, sodass ich kaum Schlaf finde. Tagsüber kann der Tag noch so schön sein - sobald die kranke Stimme in meinem Kopf sagt ich habe zu viel gegessen, wars das mit der guten Laune. Und leider sagt diese Stimme das mittlerweile jeden Tag. Dabei weiß der gesunde Teil von mir, dass es nicht sein kann, dass ich zu viel gegessen habe, denn ich bin schließlich sehr darauf bedacht bloß nicht mehr als 700 Kalorien am Tag zu essen. Bei dieser Kalorienzufuhr werde ich konstant weiter abnehmen -das haben mir nun schon sämtliche Ärzte gesagt. Aber die kranke Stimme sieht das anders und sie ist diejenige auf die ich hören muss, um einigermaßen glücklich zu sein.
Ich bin 1,67m groß und wiege mittlerweile noch 45,6 Kilo. Damit habe ich innerhalb weniger Monate 10 Kilo abgenommen. Wenn ich das so lese klingt das ziemlich viel, aber wenn ich in den Spiegel schaue sehe ich immernoch das ganze Fett an mir ( Dabei sagt mein Freund ich sei nur noch Haut und Knochen. Mein Hintern den er einst so gern mochte ist in meine Hosen nur noch erahnbar. Meine Brüste die einst Größe D hatten, sind heute für die meisten BHs zu klein. Ich habe das große Glück, dass mein Freund mich so sehr liebt, dass er auch meinen Körper noch liebt und begehrt, aber ich selber hasse mich so sehr. Ich mag nackt gar nicht mehr in den Spiegel schauen.
Alle sagen ich muss dringend zunehmen, aber wie mach ich das wenn ich doch so panische Angst davor habe noch fetter zu werden? Psychologen und Ärzte bei denen ich war glauben nicht daran, dass ich es mit einer ambulaten Therapie schaffe aus der Essstörung rauszukommen, aber ich möchte das unbedingt! Ich habe in der neuen Stadt so ein tolles Leben in Aussicht -einen Studienplatz, eine schöne Wohnung und natürlich den Menschen den ich liebe an meiner Seite. Ich möchte all das nicht für einen stationären Klinikaufenthalt verlieren. Das erste Semester steht vor der Tür und ich möchte allen beweisen, dass ich das kann.
Der Weg aus der Krankheit ist nur so wahnsinnig schwer Jeden Tag aufs Neue sag ich mir: Heute schaffst du es mehr zu essen -Heute machst du alle glücklich! ....Und irgendwie schaff ich es dann doch nicht. Die gesunde Stimme in mir versucht immer wieder sich durchzusetzten, aber die kranke ist einfach zu stark.
Von meinem Hausarzt habe ich nun Fresubin verschrieben bekommen. Ich nenne es FresSubin, weil ich mich damit fühle wie ein Mastschwein dass fresse und fressen muss um fetter und fetter zu werden. Von diesem Zeug soll ich nun jeden Tag 2 Flaschen trinken. Bisher habe ich das noch nicht geschafft, aber ich strenge mich an. Heute habe ich meinen Freund überredet, dass ich statt Fresubin einen Joghurt essen darf. Der Joghurt hatte mir auch zu viele Kalorien, aber wenigstens weniger als FresSubin.
Ich weiß dass ich nicht weiter abnehmen darf, aber ich möchte einfach nicht zunehmen (Also sage ich mir wieder morgen wird der Tag an dem alles anders wird und an dem ich mich mal wieder richtig satt esse. Satt sein ist nämlich etwas das ich nicht mal mehr ansatzweise kenne. Die kranke Stimme liebt es viel zu sehr, dass ich nachts vor Hunger nicht schlafen kann und mein Magen ständig knurrt.

Ich hoffe das hier liest irgendjemand der mir helfen kann. Ich möchte meine Lieben nicht mehr belasten. Ich möchte, dass das aufhört.

 

29.9.16 20:57


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